Zum Hauptinhalt springen

Mönki

Bild von Wolfgang Kaliga mit einem Steinbock mit Spiegelschrift im Hintergrund

Eine kleine Geschichte über ein Mufflon. Ich nenne ihn einfach Mönki, weil er in Mönkebude gelebt hat. Ein kleiner schöner Ort in der Nähe der Ostsee.

Mönki lebte in einer Herde, die größtenteils aus Damwild und Rehen bestand. Mönki war klug! Und ich denke, er hatte auch ein wenig Langeweile. Also beobachtete Mönki alles. Irgendwann muss Mönki zu der Erkenntnis gekommen sein, dass es hinter dem Zaun etwas mehr gibt. Der freiheitliche Gedanke war geboren und Mönki machte sich daran, sich zu befreien.

Mit seinen großen klugen Augen suchte Mönki die Schwachstelle im Zaun, die am besten zu knacken war. Und siehe da, Mönki hatte sie gefunden. Erst mal ausgemacht, wurde der Zaun demoliert! Mit den großen Hörnern wurde fleißig gegraben – ohne Ende! Viel Arbeit für Mönki, die sich aber lohnte. Nach einer gewissen Zeit war das Werk vollbracht und das Portal zur Freiheit war geöffnet.

Ein kleiner Schritt – und Mönki war auf einer anderen Wiese. Eigentlich alles wie immer, aber doch anders. Irgendwie grüner! Jetzt gab es keine Grenzen mehr. Mönki spazierte in den Wald, besuchte diese Wiese und jene Wiese – in voller Überzeugung, es würde immer so bleiben.

Aber das Loch im Zaun nutzten alle anderen und verließen ihr Zuhause. Der gute Landwirt, der sich jeden Tag um seine Herde kümmerte, wunderte sich, dass irgendetwas anders war. Es war nicht wie immer, es war irgendwie stiller.

„Naja“, dachte der Landwirt, „vielleicht sind alle im Wald und genießen den Schatten und die Kühle des Waldes.“

Aber da hatte er sich geirrt. Spätestens als er das Loch im Zaun sah, war ihm klar: Hier hat sich was freigebuddelt.

Ein Blick über den Zaun zeigte fast die gesamte Herde – und mittendrin stand der Übeltäter Mönki. Als würde er von nichts wissen, graste er gemütlich auf der neuen Wiese. Ein wenig musste der Landwirt schmunzeln, weil er nicht dachte, dass sein Zaun, der fest und stabil war, jemals unterwandert werden könnte.

Das Lachen verging ihm schnell, weil jetzt viel Arbeit auf ihn lauerte. Es musste die verlorengegangene Herde wieder zurückgeführt und der Zaun repariert werden. Arbeit ohne Ende! Und wenn alles fertig ist, sieht man nicht den großen Aufwand.

Der defekte Zaun wurde neu gezogen, ein Pfosten neu gesetzt und viel Beton ins Erdreich gebracht. Jetzt war alles wieder ausbruchssicher.

Und Mönki, der Schlaue, stand im Hintergrund und beobachtete alles ganz genau. Er registrierte genau, was sein Landwirt machte. Hätte Mönki schreiben können, hätte er ein Notizbuch dabei und würde ununterbrochen Fakten sammeln. Mönkis Gehirn war auf Freiheit programmiert – nicht gut für den Landwirt, denn Mönki fand von nun an immer einen Weg, aus dem Gehege zu entweichen.

Und der gute Landwirt reparierte und reparierte – gefühlte tausendmal – das Gehege. Der Zweikampf Mönki gegen Landwirt fand leider ein tragisches Ende.

Mönki hatte wieder einen Ausgang geschaffen und hopste fröhlich auf seiner annektierten Wiese herum, als er in weiter Ferne eine andere Wiese erspähte. Und da wollte er unbedingt hin. Gedacht, getan, machte er sich auf den Weg.

Eine Straße wurde ihm zum Verhängnis. Mönki war schnell im Mönkihimmel und begrüßte seine klugen Artgenossen. Der Landwirt, der Mönki in seiner Gesamtheit liebte, gab ihm die letzte Ehre in seiner romantischen Gaststätte.

Und nun schaut Mönki auf die Gäste – und wenn man Glück hat, zwinkert er einem zu. Aber er zwinkert nur auserwählten Gästen zu!