Ein Licht gegen den Hunger

Auch in diesem Advent stand vor der Schildower Kirche wieder eine hohe, rote Kerze – gegossen aus gespendetem Wachs, Modul für Modul aufeinandergetürmt. Ein stilles Zeichen gegen den weltweiten Hunger. Und ein großes Danke an alle, die dieses Licht möglich gemacht haben.
Am ersten Adventssonntag wurde die Kerze vor der Schildower Kirche entzündet. Vier Wochen lang hat sie dort gestanden und gebrannt. Wer abends vorbeikam, konnte das Licht bis weit in die Straße hinein sehen.
Wo die Tradition herkommt
Die Idee geht auf Christian Richter zurück, der 2014 verstorben ist. Er hat jahrelang kleine Fackelkerzen gefertigt: schlichte Keramikgefäße, gefüllt mit Wachsresten, mittig eine Speiche, auf der der Docht saß. Diese Kerzen hingen an der Schildower Kirche – für Brot für die Welt, für Mahnwachen, für alles, wofür es ein Licht brauchte. Manchmal brannten bis zu hundert Stück gleichzeitig. Und zwischen all den Flammen konnte man plötzlich Worte lesen. Zum Beispiel: Hunger.
Dieses stille Lesen-Können im Dunklen – das ist geblieben. Es ist der Kern dessen, was die Aktion heute noch meint.
„Ein Behälter aus Keramik, da ist Wachs drin und die Speiche ist versenkt in dem Keramikkörper. Und ich fand es so schade, dass man die Speichen wegschmeißt, die man nicht mehr brauchte. Und dann wurde einfach ein Docht da drauf gefädelt – und brennt wunderbar.“
— Wolfgang Kaliga über die Kerzen von Christian Richter
Wolfgangs Weiterführung: eine hohe rote Kerze
Wolfgang Kaliga hat diese Tradition übernommen – aber auf seine Weise weitergedacht. Statt vieler kleiner Kerzen entsteht bei ihm jedes Jahr eine einzige, hohe rote Kerze vor der Kirche. Sie wächst aus Modulen, die er im Sommer in seiner Werkstatt gießt: aus Wachsresten, die Menschen das ganze Jahr über in der Galerie abgeben. Modul für Modul türmt er die Kerze auf. Bis sie steht. Bis sie leuchten kann.
Gegossen wird mit Solarenergie. Nichts geht verloren: alte Kerzenstummel, Teelicht-Reste, abgebrannte Wachskörper – alles darf kommen. Was andere wegwerfen, wird hier zu einem Adventslicht. Ein kleines Symbol für Mitgefühl und Verantwortung, ohne dass man das große Wort dafür bemühen müsste.
Die Friedenstaube im Hintergrund
Wer genau auf das Motiv der Aktion schaut, sieht sie: die leise Silhouette einer Friedenstaube, dahinter handgeschriebene Zeilen. Sie drängt sich nicht auf. Sie ist einfach da – so, wie das Licht einfach da ist, wenn man abends an der Kirche vorbeikommt. Hunger, Frieden, Mitgefühl – das sind große Begriffe, die sich nicht schreien lassen. Eine rote Kerze und eine Taube im Hintergrund genügen.
Danke – an die Kerze und an alle, die Wachs gespendet haben
Als Wolfgang die Kerze nach dem Advent abgestrichen hat, hat er ihr noch einmal leise zugesprochen: Danke, hast schön gebrannt. Und er hat sich bei allen bedankt, die Wachs für dieses Jahr gespendet haben. Ohne diese vielen kleinen Beiträge gäbe es die hohe rote Kerze nicht.
„Wird demnächst halt abgebaut, hat schön Stand gehalten. Und einfach noch mal Dankeschön an alle, die Wachs gespendet haben.“
— Wolfgang Kaliga, beim Abbau der Kerze
Was übrig bleibt, wird eingeschmolzen und für den nächsten Winter aufbewahrt. Nichts geht verloren.
Wachs annehmen – das ganze Jahr
Damit auch im nächsten Advent wieder eine Kerze vor der Schildower Kirche stehen kann, sammelt Wolfgang das ganze Jahr über Wachsreste. Alte Kerzenreste, Stummel, ausgediente Teelichter – alles, was aus Wachs ist, darf gebracht werden. Gegossen wird im Sommer, aufbewahrt wird bis zum Advent.
Wachs abgeben:
Galerie Wolfgang Kaliga
Hauptstraße 17
16552 Mühlenbecker Land
Ein Sammelkorb steht bereit. Das ganze Jahr.